Fakten und Mythos über Gleitschirme mit Reflexprofil

Gleitschirme mit Reflexprofil werden seit vielen Jahren produziert. Wenn man die Verkaufszahlen der Hersteller zusammenrechnet, fliegen am Himmel bereits mehrere Tausend dieser Schirme. Die Anzahl der Flüge rechnet man in siebenstelligen Zahlen. Piloten der Reflexprofilschirme entscheiden sich immer öfter für Flüge

in Bedingungen mit höherem Schwierigkeitsgrad. Dank der charakteristischen Flugeigenschaften der Reflexprofilschirme hört man keine Nachrichten über Unfälle. Wie kommt es also zu so vielen Vorurteilen gegenüber Reflexprofilgleitschirme unter den Piloten. Wie so oft ist es Unwissenheit, die Angst und Unsicherheit erzeugt. Mangel an Informationen füllen Halbwahrheiten und Mythen.

In diesem Artikel versuchen wir dem Unwissen entgegen zu wirken und es mit versierten Informationen zu ersetzen.

Mythos Nr1.
Das Starten mit Reflexprofilgleitschirmen ist schwierig.

Fakt:
Das Starten mit Reflexprofilgleitschirmen verläuft anders als mit klassischen Schirmen. Probleme können auftreten wenn Piloten bei Start mit RPS (Reflexprofilschirme) die gleiche Starttechnik anwenden, wie beim klassischen Gleitschirm, oder wenn die Trimmer nicht richtig auf die Windstärke abgestimmt sind. Sobald man aber den Dreh raus hat, ist das Starten denkbar einfach.


Mythos Nr2.
Reflexprofilgleitschirme lassen sich schwer steuern.

Fakt:
Die neuen Gleitschirme mit Reflexprofil bieten ein effektives System der klassischen Steuerung bei kleiner Geschwindigkeit. Bei hoher Geschwindigkeit stehen spezielle Steuerungsleinen zur Verfügung um den Flugkomfort zu sichern.


Mythos Nr3.
Eine dynamische Reaktion des Gleitschirms mit Reflexprofil auf einen Frontstall zeigt, dass sich der Pilot bei starken Turbulenzen in großer Gefahr befindet.

Fakt:
Die Reaktion von RPS bei der SIV-Testreihe spiegelt nicht das wahre Verhalten des Gleitschirms in realen Situationen. Ein Reflexprofilgleitschirm der selbst bei stark turbulenten Wetterverhältnissen fliegt, reagiert entweder mit leichtem Geschwindigkeitsanstieg und einem leichtem Heber wenn die Luftmassen frontal wirken, oder der RPS pendelt leicht aus und ändert etwas die Richtung wenn die Turbulenzen deutlich von einer Seite kommen.

Achtung: Es macht kein Unterschied ob es sich dabei um ein RPS oder GS handelt, wenn der Gleitschirm in ansteigende Luftmassen gerät. In beiden Fällen kann der Gleitschirm ausgebremst werden und in einen Sackflug übergehen. Testreihen für diesen Notfall sollen also auch für RPS zum Standard gehören und den größten Anstellwinkel (langsamste Trimmereinstellung) berücksichtigen. Meistens wird diese Situation des langsamen Strömungabrisses bzw. des Übergangs vom B-Stall in ein Sackflug provoziert, dabei wird die Zeit gemessen vom stabilen Fallflug bis sich ein horizontaler Flug einstellt. Je schneller umso besser, ganz klar.


Mythos Nr4.
Alle Gleitschirme mit Reflexprofil zeigen die gleichen Flugeigenschaften.

Fazit:
Alle RPS mit vollständigen Reflexprofil sind fähig, hohe Geschwindigkeiten zu entwickeln. Die Stabilität des Gleitschirms erhöht sich mit der steigenden Geschwindigkeit. Doch nicht alle RPS bieten einen kompletten Reflexprofil an und je nach Einstellung der Trimmer und Speed ist das Verhalten unterschiedlich.


Mythos Nr5.
Es wird behauptet dass Reflexprofilgleitschirme ressistent auf Turbulenzen sind.

Fazit:
RPS ist kein Gleitschirm mit magischen Kräften und kann Turbulenzen nicht wegzaubern.
Reflex-Gleitschirme können die Erschütterungen bei einem Flug mit Turbulenzen nicht beseitigen. Jedoch sind Klapper- und Frontstalls auch bei sehr turbulentem Wetter äußerst selten.


Mythos Nr6.
Gleitschirme mit Reflexprofil sind nur für erfahrene Piloten empfehlenswert.

Fazit:
Die Marktlage der Reflex-Gleitschirme präsentiert sich genauso wie die der GS-Gleitschirme: geboten werden Modelle für Profiflieger und solche die sich besser für Freizeitflieger eignen.
Das Fliegen mit RPS verlangt entsprechendes Wissen und Verstehen der spezifischen Steuerung (natürlich neben des restlichen zum Gleitschirmfliegen benötigten Wissens). Piloten die das erlernt haben kommen sehr gut mit einem zum Freizeitfliegen geeignetem RPS zurecht.

Wie man sieht, sind die meisten Vorurteile dadurch entstanden dass man den RPS durch das GS-Prisma betrachtet hat. Es ist höchste Zeit um festzustellen dass RPS und GS sehr verschieden sind. Sie sind so unterschiedlich dass sich ein Pilot wenn er vom GS auf RPS umsteigen möchte, entsprechendes Wissen aneignen muss. Die zu bewältigende Theoriemenge ist nicht sehr groß oder kompliziert. Sie ist jedoch entscheidend für den Erfolg!

Vereinfacht gesagt ist RPS ein GS mit Flugzeugeigenschaften. Der Pilot muss die Flugzeugeigenschaften kennen, sonst lernt er die Mythologie kennen.